6 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 17. Juli 2026
Hör auf, das Wasser wegzuschieben – greif es: Catch-Phase & hoher Ellbogen

Die meisten Schwimmer denken beim Armzug an Kraft: kräftig durchziehen, kräftig abdrücken. Doch der wichtigste Moment entscheidet sich viel früher und viel leiser – in der Catch-Phase, dem Wasserfassen ganz vorne.
Die Idee ist einfach: Du schiebst das Wasser nicht weg, du greifst es und ziehst deinen Körper daran vorbei. Der Schlüssel dazu ist der hohe Ellbogen, im Englischen „Early Vertical Forearm“ (EVF) – Unterarm und Hand werden zu einem großen, senkrechten Paddel.
Was in der Catch-Phase wirklich passiert
Nach dem Eintauchen streckt sich dein Arm nach vorn. Statt ihn nun steif nach unten zu drücken, kippst du Hand und Unterarm nach unten, während der Ellbogen hoch und nahe der Oberfläche bleibt. So zeigt die gesamte Fläche von Fingerspitzen bis Ellbogen nach hinten – gegen die Richtung, in die du willst.
Physikalisch nutzt du damit eine viel größere Antriebsfläche. Ein durchgestreckter, tief drückender Arm bewegt vor allem Wasser nach unten (und hebt dich an), statt dich nach vorn zu ziehen.
Der häufigste Fehler: der fallende Ellbogen
Der Klassiker ist der „dropped elbow“: Der Ellbogen sinkt zuerst ab, die Hand zeigt nach vorn-unten, und du drückst das Wasser nach unten statt nach hinten. Das fühlt sich kraftvoll an, bringt aber kaum Vortrieb.
Merksatz: Der Ellbogen bleibt oben, die Fingerspitzen zeigen zum Beckenboden. Stell dir vor, du greifst über eine große Tonne und legst Unterarm und Hand außen an – genau diese Rundung suchst du.
Wasser fassen statt Wasser rühren
Ein guter Catch ist kein Reißen. Fasse das Wasser an, als wolltest du es festhalten, und beschleunige den Zug dann gleichmäßig bis zur Hüfte. Wichtiger als maximale Kraft ist das Gefühl, an einem festen Punkt vorbeizuziehen – Schwimmer nennen das „Wassergefühl“.
Der Zug verläuft dabei unter dem Körper nach hinten Richtung Hüfte, nicht quer und nicht über die Mittellinie. So bleibt der Vortrieb geradlinig.
Drei Übungen für einen besseren Catch
Diese Drills schulen den hohen Ellbogen, ohne dass du über jede Bewegung nachdenken musst:
- Sculling vorn: kleine, liegende Achterbewegungen der Hände weit vorn – schult das reine Wassergefühl.
- Zeitlupen-Kraul: extrem langsam schwimmen und in der Catch-Phase kurz „einfrieren“, Ellbogen hoch, Fingerspitzen nach unten.
- Faustschwimmen: einige Bahnen mit geschlossenen Fäusten, dann öffnen – plötzlich fühlst du, wie viel Fläche Unterarm und Hand fassen.
Häufige Fragen
- Was ist die Catch-Phase beim Kraulschwimmen?
- Die Catch-Phase ist der Beginn des Unterwasserzugs, in dem du ganz vorne das Wasser „fasst“. Hand und Unterarm kippen nach unten, während der Ellbogen hoch bleibt, sodass eine große Fläche nach hinten zeigt und dich nach vorn ziehen kann.
- Was bedeutet hoher Ellbogen (EVF) beim Schwimmen?
- EVF steht für „Early Vertical Forearm“: Der Unterarm wird früh im Zug senkrecht gestellt, während der Ellbogen hoch nahe der Oberfläche bleibt. So wirken Hand und Unterarm zusammen wie ein großes Paddel und erzeugen mehr Vortrieb.
- Warum bringt mein Kraulzug wenig Vortrieb?
- Häufig wegen eines fallenden Ellbogens: Du drückst das Wasser nach unten statt nach hinten. Halte den Ellbogen hoch, kippe zuerst die Hand und den Unterarm und ziehe geradlinig unter dem Körper zur Hüfte.
- Wie verbessere ich mein Wassergefühl?
- Mit Sculling-Übungen (kleine Achterbewegungen der Hände), Zeitlupen-Kraul mit bewusstem Catch und Faustschwimmen. Alle drei schärfen die Wahrnehmung dafür, wie viel Wasser dein Unterarm fassen kann.